Klinische Forschung im Überblick

Der lange Weg vom Molekül zum Medikament

Der Weg zu einer neuen Arznei ist lang: Etwas zehn bis zwölf Jahre vergehen von der ersten Vision bis zum fertigen Medikament. Dabei verschlingt der gesamte Prozess rund 800 Millionen Euro – die Markteinführungskosten noch nicht mit eingerechnet. Zudem ist der Weg steinig, denn während der Entwicklung eines Wirkstoffs muss immer mit Rückschlägen gerechnet werden. Das fordert vom Arzneimittelhersteller Durchhaltevermögen und eine große Portion Risikobereitschaft.

Was ist eine klinische Studie überhaupt?

Eine klinische Studie wird mit Patienten oder gesunden Probanden durchgeführt, um Medikamente oder andere medizinische Interventionen auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit zu überprüfen. Klinische Studien werden durchgeführt, um wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten und um die medizinische Behandlung zukünftiger Patienten zu verbessern. Der erste Einsatz einer erfolgsversprechenden medizinischen Behandlung am Menschen sollte daher eine klinische Studie mit dem Ziel sein, Wirksamkeit und Verträglichkeit neuer Therapien zu testen. Diese kann allerdings erst dann stattfinden, wenn ausreichend Daten zur Sicherheit vorhanden sind sowie ein positives Votum der betroffenen Ethikkommission und der zuständigen Bundesoberbehörde vorliegt. Die erheblichen Kosten klinischer Studien werden von Sponsoren übernommen, die aus unterschiedlichen Motiven Interessen mit einer Studie verbinden.

Quelle: Wikipedia

Klinische Studien

In dieser Rubrik wird beschrieben, was eine klinische Studie wirklich ist. Zudem erfahrt ihr hier auch, warum man klinische Studien durchführt und was man mit den Ergebnissen alles anfängt.

Warum klinische Studien, Was will man zeigen?

Bis heute reichen die therapeutischen Maßnahmen im Gesundheitssystem leider immer noch nicht aus, und es besteht immer wieder der Bedarf an neuen und besseren Arzneimitteln. Denn bei vielen, nicht ausreichend therapierbaren Erkrankungen [z.B. AIDS, Krebs, Multiple Sklerose, Morbus Alzheimer etc.] oder anderer chronischer Erkrankungen, müssen immer wieder neue Therapien getestet werden, um zu versuchen eine bessere, verträglichere und wirksamere Therapie zu finden. Bis ein Medikament allerdings endgültig zugelassen wird, sind schon viele Tests und Prüfungen gelaufen, denn in jeder Phase wird sorgfältig überprüft ob das Prüfpräparat die Anforderungen und die Erwartungen erfüllt.

Aber selbst nach Zulassung wird noch versucht die Therapien zu verbessern in sogenannten TOPs, Phase 4 Studien und Anwendungsbeobachtungen. In diesen „Studien“ wird mit bereits auf dem Markt zugelassenen Medikamenten geprüft wie die Therapie zu optimieren ist.

Klinische Prüfungen haben aber immer ein und den selben Zweck…

Entwicklung neuer diagnostischer Methoden, neuer Präventionsverfahren, neuer Therapiekonzepte
Überprüfung bestehender Therapiekonzepte
Optimierung therapeutischer Standards
Wirksamkeit einer Therapie
Gleichwertigkeit zweier Therapien/Verfahren
Überlegenheit einer Therapie/eines Verfahrens
Nicht-Unterlegenheit einer Therapie/eines Verfahrens

Definition „Klinische Prüfung“ nach AMG

Jede am Menschen durchgeführte Untersuchung, um klinische, pharmakologische und/oder sonstige pharmakodynamische Wirkungen von Prüfpräparaten zu erforschen oder nachzuweisen und/oder jede Nebenwirkung von Prüfpräparaten festzustellen und/oder die Resorption, die Verteilung, den Stoffwechsel und die Ausscheidung von Prüfpräparaten zu untersuchen, mit dem Ziel, sich von deren Unbedenklichkeit und/oder Wirksamkeit zu überzeugen.

Was messen klinische Studien ?

Wirksamkeit einer Therapie
„klinischer Endpunkt“ (definiert den klinisch relevanten Unterschied z. B. Tod)
Surrogatparameter (Ersatz für den Endpunkt z.B. HBa1c bei Diabetes mellitus)
Sicherheit
Verträglichkeit
PK = Pharmakokinetik (Arzneimittelstudien)
PD = Pharmakodynamik (Arzneimittelstudien)

Studienarten

Therapiestudien
Diagnosestudien
Cave (keine „echte“ klinische Studie)
Gesundheitsökonomische Studien
epidemiologische Studien

EAP [Early Access Program]

Diese Präparate stehen bereits kurz vor der FDA-Zulassung. EAPs sind in den meisten Fällen für 48 Wochen angesetzt, im EAP wird nur die Prüfsubstanz verwendet und bei Bedarf eines oder mehrere bereits zugelassen Medikamente als Backbone Therapie.

TOP [Therapie – Optimierungs – Studie]

Eine Therapie – Optimierungs – Studie ist eine nicht kommerzielle klinische Prüfung, die von Wissenschaftlern ohne Beteiligung der Pharmaindustrie durchgeführt wird. TOPs können einen hohen Nutzen für die betroffenen Patienten haben.

Medikamente sind bereits zugelassen, z. T. aber in anderen Indikationen
Forschungsinteresse
Sponsor in der Regel Arzt, Universität
kontrolliert
Öffentliche und private Finanzierung
Optimale neue Dosisfindung
prospektiv
experimentell
Nach Abschluss der Studie evtl. Neuzulassung des Medikamentes oder Indikationserweiterung

Ziel: Verbesserung des Therapiestandards, Steigerung der Versorgungsqualität

Nicht Interventionelle Studie [NIS]

NIS haben zum 01.01.2008 die Anwendungsbeobachtungen abgelöst. Hierbei werden bereits zugelassene Präparate verordnet, dies geschieht um bei jedem Patienten einen individuellen Therapieerfolg zu erzielen. Zudem stehen dem Hersteller hiermit auch nach der Zulassung, Daten und Erkenntnisse zur Verfügung, bei Einnahme unter Alltagsbedingungen. Bei einer NIS muss der Patient wie bei jeder anderen Studie auch eine  Patientenaufklärung erhalten und eine Einverständniserklärung unterschreiben. Nur dann können Daten zu einem Patienten erfasst werden. Zudem können bereits bestehende Dosierungen optimiert und verbessert werden. Weiterhin wird auch jede weitere Nebenwirkungen im Verlauf einer Therapie erfasst.

Kohortenstudien (Versorgungsforschung)

Kohorten können sowohl prospektiv als auch retrospektiv durchgeführt werden, diese laufen meist über einen Zeitraum von mindestens 3 – 5 Jahren. Kohorten sollen Daten zur Erfassung der Langzeitverträglichkeit eines Medikamentes geben und dienen auch zur Dosisoptimierung. Während einer Kohorte sollte das Prüfpräparat möglichst nicht gewechselt werden.

Design klinischer Studien

(1)Plazebovergleich / aktive Kontrollgruppe / Paralleldesign

Die Zuteilung der Patient in den einen oder den anderen Arm erfolgt per Zufall durch die Randomisierung bei diesen Designs. Viele klinische Studien werden mit diesem Design durchgeführt, hierbei wird der Effekt einer Substanz in der Patientengruppe mit einer oder mehreren Kontrollgruppen verglichen. In den Kontrollgruppen wird entweder ein Plazebo oder ein Standardmedikament verwendet.

(2)Verblindung

Hierbei entsteht Behandlungs- und Beobachtungsgleichheit sowie die Minimierung systematischer Fehler (Selektion von Patienten, Beurteilung von Nebenwirkungen, Beurteilung der Wirksamkeit).

Offene Studie     =>     Keine Verblindung
Einfach blinde Studie     =>     Verblindung des Patienten
Doppel blinde Studie     =>   Verblindung aller an der Studie beteiligten Personen (Patient, Prüfarzt, Study Nurse, Monitor)
Dreifach blinde Studie   =>     Verblindung auch des Raters, also Datenauswerters

(3)Randomisierung

Zufallsabhängiges Verfahren zur Zuteilung der Studienteilnehmer auf die Behandlungsarme.  Dies erfolgt um die Wirkung und die Sicherheit des Präparates objektiv beurteilen zu können und um dies sicher zustellen erfolgt der Vergleich mit dem Standartpräparat oder Plazebo.

Die Randomisierung erfolgt damit zur gleichmäßigen Patientenverteilung und zur Vermeidung von systematischen Fehlern. Die Randomisierung ist eine akzeptierte Standartmethode.

Methode: Tabelle mit Zufallszahlen, PC-Programm etc.

Planung und Vorbereitung einer klinischen Prüfung in einem pharmazeutischen Unternehmen (Sponsor)

Substanzentwicklung (Präklinik)
Beauftragung eines Labors
Herstellung
Zusammenfassung der Ereignisse in der Investigators Brochure
Entwicklung Phase I-Studie

F&E (Forschung und Entwicklung)

Substanzentwicklung
Projektentwicklung / – Auswertung
Projektmanagement
Datenmanagement
Qualitätssicherung
Zulassung
Stufenplanbeauftragte/Koordinator von NW od. ähnlichen Ereignissen in Bezug auf das Medikament

Studienpersonal

Studienleiter / LKP
Studienkoordinator / Projektmanager
CRA
Biometriker
Med. Dokumentare / Dokumentationsassistenten
Studiensekretär /-in
Datentypisten
Auditoren

Klinische Forschung – Projektentwicklung

Erarbeiten eines Studiendesigns zusammen mit Biometriker
Ausarbeiten des Studienprotokolls
Protokollbegutachtung
Sicherung der Finanzierung
Abschluss der Versicherung
Einholen des EK-Votums
Meldung der Bundesoberbehörde
Rekrutierung von Kooperationspartnern

Klinische Forschung – Projektmanagement

Prüfarztrekrutierung
Vertragsabschluß
Einholen der Ethikvoten für die Prüfzentren
Meldung der Länderbehörden
Aufbau der Studienlogistik
Initiierungsbesuch
Randomisation
Rekrutierungsüberwachung
Motivation der Prüfärzte / Studienassistenten
Monitoring

Datenmanagement

Prüfung auf Vollständigkeit und Plausibilität
Erstellen der Queries (Rückfragen)
Monitoring (Source Data Verification etc.)
Dateneingabe (doppelt)
Erstellen des Auswerte-Datensatzes

Monitoring

Die Rechte und das Wohl der Prüfungsteilnehmer müssen geschützt werden, die berichteten Prüfungsdaten müssen korrekt, vollständig und anhand der Originalunterlagen nachprüfbar sein. Ein Monitor überprüft beim Besuch im Prüfzentrum viele Dinge, anbei einige Aufgaben des Monitors. Ihr solltet bei Monitorbesuchen immer etwas Zeit mit einplanen, da dies eine aufwändige Sache ist. Zudem sollte dem Monitor ein Raum sowie, wenn notwendig, ein Internetzugang zur Verfügung stehen.

Quelldatenkontrolle
Überprüfung und Bilanzierung der Studienmedikation
Kontrolle der Studienunterlagen
Kontrolle der technischen Ausstattung
Kontrolle des ISF

Quelle: www.studynurseonline.de (A.Lorenz)